Die drei Mädchen stehen vor der Ausstellungswand und kichern ein wenig. Sie betrachten die Bilder zum Thema Moor. Schnell entspinnt sich aber eine Diskussion. Warum „ertrinken“ Menschen im Moor? Einer der Ausstellungsmacher steht zufällig dabei und erklärt, was das Besondere am Moor ausmacht. Die Viertklässlerinnen wissen, dass Sauerstoff zum Atmen benötigt wird und in der Luft ist. Und sie verstehen, dass Kohlenstoff schlechte Luft macht. Aber Moore sind Kohlenstoffspeicher, deshalb etwas besonderes. Und die besten Wasserspeicher. Wahre Klimahelden eben. Botschaft angekommen.
So geht es an vielen Tafeln. Oft erklären Lehrerinnen und Lehrer engagiert, wie die Aussagen auf den Tafeln zu verstehen sind. Ob es um Insekten geht oder Emissionen durch industrielle Tierhaltung, um Wassermanagement oder Bodenverdichtung. An der Tafel über Pestizide werden die Kunstwerke genau betrachtet und interpretiert, das Gesehene gegenseitig erklärt.
Am Austellungstag in Bad Arolsen sind eine ganze Reihe Schulklassen gekommen. Und viele sind sehr gut vorbereitet. Als bei einer kurzen Begrüßung und Einführung nach der Bedeutung des Wortes Biodiversität gefragt wird, gehen die Finger nach oben. Ein Junge aus der vierten Klasse erklärt souverän, dass die Vielfalt der Natur eine Lebensgrundlage für Menschen ist. Es sind verschiedene Schultypen und Klassenstufen bis zur 9 dabei, und es macht Spaß zu sehen, welche angeregten Gespräche sich zu den Kunstwerken ergeben. Es wird viel verglichen, was die handwerkliche Qualität angeht. Es gibt kritische aber auch bewundernde Kommentare.
Am Abend des Vortages wurde die Ausstellung eröffnet mit einem kurzen Fachvortrag. Peter Kirch von der Vereinigung Ökologische Landwirtschaft Hessen (VOEL) ist Bodenfachmann und erklärte spannend, wie der Boden lebt. Bärtierchen mit rüsselartigem Maul, mit bloßen Auge nicht sichtbar, die extremste Bedingungen überleben (jahrelange Trockenheit und sogar das Vakuum im Weltall), Springschwänze und Milben und natürlich Bakterien und Pilze. Sie alle sorgen dafür, dass fruchtbarer Boden entsteht, und dies in unvorstellbarer Zahl. Sie zersetzen organisches Material und machen Nährstoffe für Pflanzen verfügbar. Außerdem schaffen sie durch ihre Bewegung Hohlräume, was den Wasser- und Lufthaushalt des Bodens reguliert. Eine einzige Handvoll Erde enthält mehr Lebewesen, als es Menschen auf der Erde gibt.
Hier kam er zu einem wesentlichen Punkt bezüglich der Landwirtschaft. Denn diese Kreisläufe können nur mit einem gewissen Aufwand erhalten und genutzt werden. In der Praxis der konventionellen Landwirtschaft aber werden vielfach Pestizide angewendet, die etwa Bodenorganismen oder Pilznetzwerke schwächen oder zerstören. Dies wird dann durch künstlichen Dünger ausgeglichen. Monokulturen stehen auf einem faktisch toten Boden. Im ökologischen Landbau wird dagegen auf natürliche Stärkung des Bodens gesetzt durch Fruchtfolgen, Kompostbeigaben und den gezielten Einsatz von Nützlingen.
In einer anschließenden kurzen Diskussion unter den Zuhörenden wurde schnell die Problematik von Aufwand und Ertrag diskutiert. Auch Bodenversiegelung kam zur Sprache. Denn einmal versiegelter Boden ist ein unwiderruflicher Verlust als Wasserspeicher und Klimaschutzfaktor (Kohlenstoffspeicher). Konsens war, dass hochwertige Lebensmittel entsprechend honoriert werden müssen und dass gerade auch regionaler Einkauf ein wichtiger Beitrag zur Biodiversität ist. Dann wurde die Auswahl der vielen Bilder betrachtet, die von neun Schulen aus Nordhessen beigesteuert worden waren.
Der Bürgersaal in Bad Arolsen bot perfekte Bedingungen, um die sorgfältig kuratierte Ausstellung zur Geltung zu bringen. Licht, Raum und Akustik sorgten für eine tolle Atmosphäre. Auch die Präsentation wurde technisch bestens unterstützt.
Für den Veranstalter, dem Volksbildungsring Bad Arolsen, begrüßte Dr. von Nathusius die Gäste des Abends und bedankte sich bei den Ausstellungsmachern. Andreas Grede von der AGA erwiderte den Dank an die Initiatoren, die diesen attraktiven Ausstellungsort mit ermöglicht haben.
Die Begleitbroschüre fand Verbreitung und kann mit kurzen Sachinformationen die Bedeutung der Biodiversität verdeutlichen. Wer für sich oder andere ein gedrucktes Exemplar (oder mehrere) möchte, kann diese(s) gerne mit Adressangabe per Mail bestellen: office@aga-nordhessen.de
Bilder von der Eröffnung und vom Ausstellungstag

















