
Boden
Gesunder Boden – der natürliche Wasserspeicher unter unseren Füßen
Ein intakter, lebendiger Boden ist weit mehr als nur der Untergrund für Pflanzenwachstum. Gesunder Boden kann bis zu 375 Liter Wasser pro Quadratmeter speichern – das entspricht fast vier vollen Badewannen pro Quadratmeter Fläche!
Humusreiche Böden mit viel organischer Substanz nehmen bei Starkregenereignissen große Wassermengen auf, wodurch Überschwemmungen verhindert und die Grundwasserbildung unterstützt werden. Die Speicherfähigkeit hängt auch stark von der Bodenstruktur und den Bodenlebewesen ab. Die Bodendeckung mit Pflanzen schützt vor Erosion und Verdichtung, wodurch die Aufnahmefähigkeit erhalten bleibt.
Durch Monokulturen und die Bearbeitung mit schweren Maschinen verliert der Boden seine Speicherfähigkeit. In der Folge fließt Wasser oberflächlich ab, die Erosion nimmt zu und bei Trockenheit bleibt der Boden spröde und unproduktiv.
In EU-Ländern wie Spanien und Italien tritt durch hohen Grundwasserverbrauch für hochprofitable Produkte wie Erdbeeren, Salat oder Brokkoli regelrechte Wüstenbildung auf. Diese hat in den letzten Jahren um mehr als das Fünffache zugenommen. Auch in Deutschland ist mindestens ein Fünftel der landwirtschaftlichen Flächen von sehr starker Bodenerosion betroffen.
Um die Wasserspeicherung im Boden zu verbessern, ist der Humusaufbau entscheidend. Dazu tragen vor allem die Vermeidung übermäßiger Bodenbearbeitung sowie chemischen Düngemitteln und Pestiziden bei.
Gesunder Boden ist unsere „grüne Infrastruktur“ für Ernährungssicherheit, Hochwasserschutz und Anpassung an den Klimawandel. Ein großes Potential beim Bodenschutz liegt also in der Landwirtschaft, die ca. die Hälfte der Fläche Deutschlands nutzt. Die Umstellung auf bodenschonendere Nutzung ist dringend notwendig, denn wir müssen Böden schützen, als das, was sie sind: lebendige, systemrelevante Ökosysteme.
Mindestens ein Viertel aller Lebewesen auf der Erde bewohnen Böden. Und sie sind auch notwendig, um Böden aufzubauen und zu erhalten. Der Humus, eine dunkle Substanz im Boden, ist für die Lebensprozesse zentral. Er besteht aus abgestorbenen Pflanzen, Wurzeln und Mikroorganismen. Humus speichert Wasser, versorgt Pflanzen mit Nährstoffen, hält den Boden locker und ist entscheidend für das Pflanzenwachstum.
Doch er entsteht nicht von selbst, sondern ist das Ergebnis der Arbeit unzähliger kleiner Lebewesen im Boden – darunter Regenwürmer, Springschwänze, Milben, Bakterien und Pilze. Pro Jahr fallen auf einem Hektar Ackerfläche etwa 15 Tonnen abgestorbene Pflanzenreste an – etwa in Form von Wurzelmasse, Ernteresten und Laub. Diese werden von Bodentieren zerkleinert, verdaut und umgewandelt. Das Ergebnis ist dauerhafter Humus, der CO₂ speichert, den Boden verbessert und die Erträge stabilisiert.

Ohne diese Kleinstlebewesen können Pflanzenreste nicht richtig abgebaut werden – es fehlt die Umwandlung in Humus. Der Boden verarmt, wird anfällig für Erosion, Trockenheit und Verdichtung. Die meisten konventionellen Ackerflächen werden mit Pestiziden, Herbiziden und Fungizidenbehandelt, um Pflanzen vor Schädlingen und Pilzen zu schützen. Diese Mittel wirken jedoch nicht selektiv. Sie töten oder schädigen nicht nur unerwünschte Insekten. Auch Regenwürmer, die Gänge graben und die Erde durchlüften sowie Bodenpilze und Bakterien, welche zur Zersetzung organischer Materialien unverzichtbar sind, sind von den Giften bedroht. Das Ergebnis: Pestizid-Äcker verlieren ihre Bodenbiologie – sie werden zu leblosen Substraten, die künstlich gedüngt werden müssen und trotzdem an Fruchtbarkeit verlieren.
Böden weltweit haben bereits 50 bis 80 Prozent ihres Humusgehalts durch Ackerbau und Übernutzung verloren. Die Folgen für Landwirtschaft und Klima sind verheerend, denn weniger Humus bedeutet auch weniger Wasser- und Nährstoffspeicher. Die Abhängigkeit von immer mehr Kunstdünger und Bewässerung steigt. Außerdem nimmt die Anfälligkeit für Wetterextreme zu und die Erträge sinken. Der Boden kann weniger CO2 im Boden binden und gibt mehr Klimagase in die Atmosphäre ab.
Was wir brauchen ist Vielfalt statt Monokultur, Verzicht auf Pestizide und Umstieg auf biologischen Pflanzenschutz, Fruchtfolgen und Dauerbegrünung, die die Bodentiere nähren. Denn lebendige Böden sind Träger des Lebens auf der Erde.
