
Insekten
Kleine Tiere – großer Nutzen
Landwirt:innen verrichten tagtäglich wichtige Arbeit für unsere Gesellschaft: Sie sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass Pflanzen, Getreide und Früchte gedeihen und uns allen als Nahrung zur Verfügung gestellt werden können. Eine andere ganz wesentliche Arbeit bei der Produktion von Lebensmitteln erledigen allerdings sehr viel kleinere Lebewesen: die Insekten. Ohne sie gäbe es keine Landwirtschaft.
Noch längst sind nicht alle Insektenarten weltweit ausführlich erforscht – dass es ohne sie nicht geht, ist aber eindeutig. So könnten bis zu 90% aller Pflanzen überhaupt nicht wachsen, wenn sie nicht von Insekten bestäubt würden.
Zahlreiche Insekten tragen durch Bestäubung zum Wachstum vieler beliebter Früchte bei. Wenn man Wildbienen aktiv schützt, kann das die Erntemenge von z.B. Erdbeeren und Kirschen nahezu verdoppeln. Darüber hinaus sind sie für die Bestäubung eigentlich sämtlicher Pflanzen unverzichtbar – wollte man den wirtschaftlichen Wert ihrer landwirtschaftlichen Leistung berechnen, käme man auf etwa 3,8 Milliarden Euro in Deutschland, in der EU sogar auf 14,2 Milliarden.
Bestäubung ist jedoch nicht die einzige Arbeit, die Insekten auf dem Feld verrichten. Sie leisten auch einen wertvollen Beitrag zur Schädlingsregulierung. Viele Insekten ernähren sich von anderen Kleinstlebewesen, die man dann auf dem Acker nicht mit chemischen Mitteln bekämpfen muss. Der Marienkäfer ist einer der berühmtesten Schädlingsbekämpfer, er frisst z.B. Blattläuse oder Kartoffelkäfer. Die Förderung von Insekten senkt also, auch wenn es paradox klingt, den Einsatz von Insektiziden und entlastet somit Tiere und Umwelt.
Gleichzeitig garantieren Insekten nicht nur unsere Versorgung – sie dienen auch selbst als Nahrung für viele Tiere. Etwa 60% unserer heimischen Vogelarten ernähren sich von Insekten und sind daher auch selbst bedroht, wenn ihre Zahl weiter sinkt. Insektenschutz ist gleichzeitig auch Vogelschutz!
Wildbienen, aber auch unzählige weitere Insekten sind also auf vielen Ebenen unabdingbar für die Gesundheit unserer Ökosysteme und nicht zuletzt für die Landwirtschaft. Trotzdem ist gerade letztere aktuell einer ihrer größten Feinde.
Mangelware blühende Landschaften
Pro Mensch auf der Welt gibt es schätzungsweise 1,4 Milliarden Insekten. Durch den menschlichen Einfluss schrumpft diese Zahl jedoch Jahr für Jahr rapide. Wie groß die Zahl tatsächlich ist, zumindest in Deutschland, zeigte 2017 die „Krefelder Studie“: Innerhalb von knapp 30 Jahren war die Biomasse an Insekten in Deutschland um rund 75 % geschrumpft. Eine alarmierende Zahl, die zum ersten Mal Politik und Gesellschaft wirklich aufrüttelte. Genug passiert ist seither trotzdem nicht. Nach wie vor sind gut 30% der Arten entweder gefährdet oder schon ausgestorben.


Dies hat verschiedene Gründe. Zum einen gibt es immer weniger Lebensraum für Insekten. Blühpflanzen und Wildkräuter, die optimale Bedingungen für Insekten bieten, müssen immer mehr zugunsten ausgeräumter Agrarlandschaften weichen. So stehen auf jedem deutschen Feld inzwischen rund 71% weniger Ackerwildkrautarten also noch im Jahr 1950.
Zum anderen macht den Insekten der immer weiter steigende Pestizideinsatz zu schaffen. Dieser ist global inzwischen rund fünfzigmal höher als noch 1950. Etwa 4 Millionen Tonnen chemischer Pflanzenschutzmittel bringt die konventionelle Landwirtschaft jährlich weltweit aufs Feld. Nicht nur Insektizide selbst, auch Herbizide können Insekten massiv unter Stress setzen und so z.B. deren Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen.
Im Vergleich: Auf ökologisch bewirtschafteten, weniger chemisch behandelten Flächen kommen 23 % mehr Bestäuberarten vor.
Politische Ziele zum Insektenschutz (und wie sie verfehlt wurden)
Für den Insektenschutz kann im Kleinen jede und jeder von uns etwas tun – in erster Linie braucht es aber sinnvolle und verbindliche politische Maßnahmen, um das Artensterben im großen Maßstab aufzuhalten. An diesen scheitert es aber seit Jahrzehnten immer wieder.
Bereits auf dem Erdgipfel 1992 in Rio de Janeiro wurde die sogenannte Biodiversitätskonvention ins Leben gerufen, der zufolge das Artensterben bis 2010 gestoppt werden sollte. 160 Staaten, darunter auch Deutschland, verpflichteten sich dort auf verschiedene Maßnahmen zum Schutz der Natur und der Arten. Bis auf wenige kleine Erfolge wurde das Ziel weit verfehlt. Auch die Verlängerung bis 2020 wurde nicht eingehalten. Inzwischen spricht man von neuen Zielen bis 2030.

Mehr als 30 Jahre lang ist wenig bis nichts Konkretes passiert. Die Biodiversitätskonvention zeigt deutlich, wie dringende Anliegen des Klima- und Artenschutzes immer weiter vertagt und nie ernsthaft politisch durchgesetzt werden.
Was es jetzt dringend braucht:
- Ein ambitioniertes Insektenschutzgesetz
- Schaffung von Lebensräumen wie Blühstreifen und -wiesen, Hecken, Flächenstilllegungen und Förderung der Landwirtschaft in diese Richtung (auch auf EU-Ebene)
- Pestizidverbot in Schutzgebieten
- Insektenschädlichkeit in Zulassungsverfahren von Pestiziden berücksichtigen
- Glyphosat-Ausstieg (weitete Informationen z.B. über www.bund.net)
