
Moor
Moore – Schatzkammern der Vielfalt und des Klimaschutzes
Früher haben Moore den Menschen viel Respekt eingeflößt. Mythen rankten sich um sie und sie wurden als gefährliche Orte dargestellt, in denen geheimnisvolle Wesen leben und die man besser meiden sollte. Mit der Industrialisierung im 18. und 19. Jahrhundert wurde begonnen, diese faszinierenden Sumpflandschaften zu nutzen.
Moore zählen zu den artenreichsten und zugleich empfindlichsten Lebensräumen Europas. Hier finden seltene Pflanzen und spezialisierte Tierarten ihren letzten Rückzugsort. Damit sind Moore Zentren biologischer Vielfalt. Sie spielen außerdem eine entscheidende Rolle im Wasserkreislauf, indem sie Wasser filtern und bei Dürreperioden und Überschwemmungen helfen. Doch nicht nur das – sie sind auch gigantische Kohlenstoffspeicher. Pflanzen wachsen in Mooren unter nassen Bedingungen. Wenn sie absterben, werden sie aufgrund des Sauerstoffmangels im Wasser nicht vollständig zersetzt.
Stattdessen entsteht Torf – ein kohlenstoffreiches Material, das sich über Jahrtausende hinweg angesammelt hat. Dabei bleibt der Kohlenstoff, den die Pflanzen während ihres Wachstums aufgenommen haben, im Boden gebunden. Durch Entwässerung für Landwirtschaft, Torfabbau oder Bauprojekte geraten diese einzigartigen Ökosysteme jedoch zunehmend in Gefahr. Geht ein Moor verloren, verschwinden nicht nur seine Bewohner – es setzt auch den gespeicherten Kohlenstoff frei und verschärft die Klimakrise immens. Mittlerweile gelten nur noch 5 Prozent der Moore in Deutschland als intakt.
Wenn es um den Schutz unseres Klimas geht, denken viele Menschen zuerst an Bäume und Wälder – und das zu Recht. Wälder spielen eine wichtige Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf. Doch Moore sind als wahre Klimahelden sogar noch effektiver als Wälder. Zwar bedecken sie weltweit nur etwa 3 Prozent der Landfläche, speichern jedoch etwa 30 Prozent des erdgebundenen Kohlenstoffs – das ist sechsmal mehr als alle Wälder zusammen. Und das auf nur einem Sechstel der Fläche!
In Deutschland werden fast drei Viertel aller Moorflächen landwirtschaftlich genutzt. Damit Moorböden als Ackerfläche genutzt werden können, müssen sie besonders intensiv und dauerhaft trockengelegt werden, was neben CO2 auch andere Treibhausgase freigesetzt, darunter Lachgas, das eine 300mal so schädliche Klimawirkung hat wie CO2. Einsparen lassen sich Treibhausgasemissionen, wenn Ackerland in extensiv und feucht genutztes Grünland umgewandelt wird.
Optimal ist jedoch die vollständige Vernässung der Böden, denn sie ermöglicht noch eine mehr als doppelt so hohe Einsparung an Emissionen. Es braucht also flächendeckend neue Bewirtschaftungsformen, die mit nassen Böden kompatibel sind, sogenannte Paludikulturen. Angebaut werden können hier Pflanzenarten, die auf dauerhaft nassen Böden gedeihen. So kann man zwar keine Nahrungsmittel, aber Biomasse zur stofflichen Verwendung oder Energiegewinnung produzieren und damit zur Dekarbonisierung der Wirtschaft beitragen.

Trotz der Erkenntnis, dass die Entwässerung der Moore für rund ein Viertel der Emissionen durch Landwirtschaft verantwortlich ist, begünstigt die europäische Agrarpolitik die klimaschädliche Landwirtschaft auf Moorböden. Dabei geht die Rechnung schon betriebswirtschaftlich nicht auf: Einem Euro Subvention der EU für Ackerbau auf entwässerten Mooren stehen 54 Euro an Klimafolgekosten entgegen.
Der Schutz bestehender Moore und deren Renaturierung – also die Wiedervernässung von Mooren – muss ganz oben auf die politische Agenda. Wird der CO2-Ausstoß gestoppt, kann das Moor langfristig wieder Kohlenstoff speichern. Dadurch werden Moore zu einem der kosteneffizientesten und wirkungsvollsten Instrumente im Kampf gegen den Klimawandel und das Artensterben.
