Mit der Chemiekeule gegen die Umwelt

Pestizide sind chemisch-synthetische Wirkstoffe, die ihre Anwendung überwiegend in der Landwirtschaft finden. Sie sollen Kulturpflanzen vor Schädlingen und Krankheiten schützen und deren Erträge steigern. Obendrein machen sie den Anbau von großflächigen Monokulturen und kurze Fruchtfolgen überhaupt erst möglich.

Pestizide werden in Unmengen auf Feldern und auch direkt vor unseren Haustüren versprüht. Die jährlich ausgebrachte Pestizidmenge liegt bei rund 4 Millionen Tonnen weltweit. Hierzulande werden pro Jahr bis zu 35.000 Tonnen Pestizidwirkstoffe verkauft.

Wie gefährlich sind Pestizide eigentlich für Mensch und Umwelt?

385 Millionen Menschen erkranken jedes Jahr weltweit an Pestizidvergiftungen, in 11.000 Fällen endet diese Vergiftung tödlich. Hinzu kommen Langzeiterkrankungen wie Krebs und Parkinson, Atemwegserkrankungen, Diabetes und Unfruchtbarkeit.

Der intensive Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln in der deutschen Agrarlandschaft hat also viele gesundheitliche Folgen für uns Menschen. Außerdem führt er zu einem Rückgang der Artenvielfalt und intakter Ökosysteme.

  • Unsere Gewässer sind in einem bedenklichen Zustand,
  • Luft und Böden sind belastet,
  • das Grundwasser ist mit Pestizidrückständen verunreinigt
  • Pestizide gefährden Nützlinge und töten Insekten, die rund zwei Drittel unserer Kulturpflanzen bestäuben.

Vom Winde verweht

Pestizide bleiben nicht dort, wo sie ausgebracht wurden. Der Wind transportiert sie viele hundert Meter bis über 1.000 Kilometer weit. Sogar in Grasproben von Spielplätzen und Schulhöfen wird man fündig. Für Bio-Landwirte kann dieser Ferntransport einen hohen wirtschaftlichen Schaden verursachen – sie verlieren unter Umständen den Bio-Status ihrer Produkte.


Return to Sender

Mit dem Verkauf von hochgefährlichen Pestiziden lassen sich gute Geschäfte machen. Bestimmte Substanzen dürfen in Europa nicht angewendet werden, weil sie verbotene Wirkstoffe enthalten. Allerdings können sie weiterhin in der EU hergestellt und in Drittländer exportiert werden. Als Importwaren landen sie wieder auf unseren Tellern. Gewürze und vor allem auch Bananen, die „Nationalfrucht“ der Deutschen, sind häufig stark damit belastet: 91 % der untersuchten Bananenproben (105) enthielten Pestizidrückstände, davon 66 (62 %) mit verbotenen Substanzen.

Keine Sicherheitsbewertung für Pestizid-Cocktails

Es gibt zwar Grenzwerte für Pestizidrückstände in Lebensmitteln, bewertet wird jedoch nur der einzelne Wirkstoff. Häufig ist es aber gleich ein ganzer Cocktail aus mehreren Pestiziden, die wir mit Obst und Gemüse aufnehmen. Chemische Wechselwirkungen sind bisher kaum erforscht.

An Apple a Day

… erspart uns sicher nicht den Arztbesuch.

Und dennoch ist der Apfel mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 20 Kilogramm das Lieblingsobst der Deutschen. Insgesamt werden hierzulande 1,6 Millionen Tonnen Äpfel im Jahr gegessen. Beim Kauf im Supermarkt sind wir ganz schön wählerisch – makellos soll er sein, knackig und glänzend.

Der schöne Schein ist trügerisch, denn im konventionellen Anbau wird in Deutschland mit vielen Pestizidanwendungen nachgeholfen. Äpfel haben mit mehr als 29 Spritzintervallen den höchsten Behandlungsindex. Platz zwei und drei belegen der Wein- und Kartoffelanbau. Auch Hopfen ist konventionell nicht so gesund, wie er beliebt ist. Er belegt immerhin den vierten Platz.

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