
Wasser
Zwischen Dürre und Überschwemmung
Wasser ist die Grundlage allen Lebens. Kein Stoffwechselprozess kommt ohne aus – vom Transport von Nährstoffen bis zum Aufbau von Zellen ist Wasser unersetzlich. Ohne ständigen Zugang zu Wasser stirbt Leben ab – das gilt für Mikroorganismen ebenso wie für uns Menschen.
Zwar bleibt die globale Wassermenge durch den natürlichen Kreislauf von Verdunstung und Niederschlag konstant, doch Zugang zu sauberem Süßwasser wird zur Krise. Klimawandelbedingte Dürren, schwindende Gletscher und versiegende Flüsse treffen ganze Weltregionen. Gleichzeitig häufen sich Starkregen, Überschwemmungen und Erosion durch versiegelte Böden. Flüsse wie der Indus, der Po oder der Rio Grande führen in Trockenzeiten kaum noch Wasser, während anderswo Lebensräume in Wassermassen untergehen.
Auch die industrielle Landwirtschaft trägt erheblich zur Wasserproblematik bei: Sie verbraucht über zwei Drittel der weltweiten Süßwasserressourcen und verschmutzt sie zugleich mit Pestiziden, Dünger und Gülle. Moore, Auen und andere Feuchtgebiete – natürliche Wasserspeicher und Hotspots der Biodiversität – schwinden rapide.
Zusätzlich setzen Industrieabfälle, Bergbau und der Abbau von Rohstoffen die Gewässer weltweit unter Druck. Chemikalien, Schwermetalle und Mikroplastik verschärfen die toxische Belastung vieler Wassersysteme – oft unwiderruflich.
Ein zukunftsfähiger Umgang mit Wasser verlangt radikale Kurskorrekturen: weniger Verbrauch, weniger Gift in Böden und Gewässern, mehr Schutz und Wiederherstellung natürlicher Wasserräume. Stattdessen braucht es eine ökologische Landwirtschaft, Kreislaufwirtschaft und den bewussten Umgang mit Ressourcen.

Lebensraum in Gefahr
Wie viele Arten es auf der Erde gibt, ist nicht exakt bekannt. Seriöse Schätzungen gehen von 5 bis 20 Millionen aus – etwa ein Drittel davon lebt im Wasser. Besonders Flüsse, Seen und Feuchtgebiete gehören zu den artenreichsten Lebensräumen unseres Planeten. Doch der Verlust dieser Vielfalt schreitet dramatisch voran.
Seit 1970 hat sich der weltweite Artenbestand nahezu halbiert. Die Ursachen liegen vor allem in der Übernutzung, Verschmutzung und Zerstörung natürlicher Lebensräume durch den Menschen. Unter anderem Industrie und Rohstoffabbau tragen durch Schadstoffe und Eingriffe in Gewässer erheblich zur Verschmutzung und zum Verlust der Artenvielfalt bei.
Biodiversität ist kein Luxus, sondern eine Grundbedingung für funktionierende Ökosysteme. Schon das Verschwinden einzelner Arten kann sogenannte Kaskadeneffekte auslösen, die das Gleichgewicht ganzer Lebensräume ins Wanken bringen. Besonders anschaulich wird dies im Wasserkreislauf: Durch intensive Landwirtschaft gelangen große Mengen an Stickstoff und anderen Nährstoffen in Flüsse, Seen und Meere. Dort verursachen sie ein übermäßiges Algenwachstum. Wenn diese Algen absterben, sinken sie zu Boden, wo Bakterien sie zersetzen – und dabei so viel Sauerstoff verbrauchen, dass sogenannte „Todeszonen“ entstehen, in denen kaum noch Leben möglich ist.
Obwohl in vielen Regionen die Nährstoffeinträge leicht zurückgehen, ist beispielsweise die Ostsee weiterhin fast flächendeckend betroffen. Besonders alarmierend: Süßwasserwirbeltiere zählen heute zu den am schnellsten aussterbenden Tiergruppen weltweit.
Der Verlust an Wasserlebensräumen ist nicht nur ökologisch, sondern auch gesellschaftlich fatal. Denn biologische Vielfalt ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass sich Ökosysteme an den Klimawandel anpassen können – und damit letztlich auch wir Menschen.

