Schlechte Nachricht für Bestäuber: Sonderzulassung von Gehirnkiller

Absolut unverantwortlich ist die jüngste Entscheidung über eine Sonderzulassung von Neonicotinoiden im Rübenanbau. Die damit behandelte Zuckerrübensaat darf von Januar bis April 2021 in NRW ausgesät werden, teilte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mit. Weitere Anträge liegen vor. Entgegen ihrer vollmundigen Beteuerung im Bundestag, nichts mehr zuzulassen, was den Bienen schaden könnte, macht Ministerin Klöckner der Agrarlobby nun wieder ein dickes Geschenk und untergräbt damit geltendes EU-Recht und alle Bemühungen, die Artenvielfalt zu erhalten.

Neonics sind längst verbotene Nervengifte und damit auch die gefährlichsten Gifte, die wir in der Landwirtschaft kennen. Vom Saatkorn gelangt das Gift in Stängel, Blätter und Blüten und ist auch im Nektar und Pollenstaub zu finden. Neonics sind im Rübenanbau keinesfalls unproblematisch, wie es gerne von den Befürwortern behauptet wird. Die Pflanze nimmt zwar nur einen kleineren Teil des Giftes auf, der große Rest gelangt aber über den Boden ins Wasser und damit auch in ganz andere Pflanzen.

Kommen Bienen damit in Kontakt, werden ihre Gehirnprozesse gestört. Führt die Aufnahme nicht sofort zum Tod, werden ihre Kommunikation, Lern- und Orientierungsfähigkeit stark eingeschränkt. Sie verlieren ihr Erinnerungsvermögen – ähnlich wie bei Alzheimer – und finden zum Beispiel ihren Bienenstock nicht wieder. Schaffen sie es doch zurück, gelangen die Nervengifte mit Pollen, Nektar und gesammeltem Tauwasser direkt in den Stock und reichern sich in Honig, Bienenbrot und Wachs an. Das hat schwerwiegende Folgen für das gesamte Bienenvolk.

Anlass für diese Ausnahmegenehmigung ist ein Virus in einzelnen Anbaugebieten bei Zuckerrüben, das die Ernte schmälert. Landwirte, die nach ökologischen Kriterien wirtschaften, zeigen, dass es auch ganz ohne den Einsatz von Neonicotinoiden geht. Sie bekämpfen dieses Virus mit anderen Fruchtfolgen und vorbeugenden Maßnahmen und schützen damit gleichzeitig die Nützlinge für ein besseres Gleichgewicht.