Verbotene Pestizide: für den eigenen Acker zu giftig, für den Export sicher genug.

Es ist ein schamloses Geschäft. Deutsche Chemiekonzerne wie Bayer und BASF exportieren Pestizide nach Afrika, Asien und Lateinamerika, die so gefährlich sind, dass sie in der EU verboten sind. Syngenta, die Nummer Eins in diesem schmutzigen Geschäft, verfügt über zahlreiche Produktionsstätten in Europa.

Eine Studie von Public Eye und Unearthed (Greenpeace)  zeigt auf, dass in der EU im großen Stil hochgiftige Pestizide produziert werden, deren Nutzung auf den eigenen Feldern wegen inakzeptabler Gesundheits- und Umweltrisiken untersagt ist. Dennoch ist der Export dieser Substanzen in mehr als 80 Zielländer zulässig. Im Jahre 2018 waren es mehr als 81 000 Tonnen. Dieser Doppelstandard erlaubt es den Produzenten, Länder mit schwächeren Pestizidvorschriften mit gefährlichen Produkten zu beliefern und damit weiterhin fette Profite sicherzustellen.

Die Ironie dabei: nicht nur Millionen Menschen in den Anbaugebieten bezahlen das mit ihrer Gesundheit, indem sie Pestizidvergiftungen, langfristige gesundheitliche Schäden und chronische Erkrankungen erleiden, über Lebensmittelimporte landen genau diese giftigen Stoffe wieder auf unserem Teller.

Die Europäische Kommission kündigte noch im Mai groß die Strategie „From Farm to Fork“ an. Darin positioniert sich die EU als weltweite Pionierin auf dem Weg hin zu einem «fairen, gesunden und umweltfreundlichen Ernährungssystem». Gegen den Export von hochgefährlichen, in der EU verbotenen Pestiziden, hat sie anscheinend nichts einzuwenden.

Solange sich die Mitgliedsstaaten der EU darauf berufen, dass die Einfuhrstaaten schließlich selbst entscheiden könnten, ob sie die Einfuhr genehmigen oder nicht, wird diese abscheuliche Praxis nicht enden.

Es braucht eine politische Lösung. Die Mitgliedstaaten der EU dürfen nicht länger gesundheitliche Schäden der Menschen und der Umwelt im Globalen Süden in Kauf zu nehmen und müssen der schäbigen Doppelmoral ihrer Handelspolitik hinsichtlich der gefährlichen Pestizide ein Ende setzen. Bisher erklärte einzig Frankreich, den Export von in der EU verbotenen Chemikalien ab 2022 zu verbieten, diesem Beispiel müsse man folgen. Die Bundesrepublik schaut tatenlos zu.

https://www.presseportal.de/pm/6694/4702495

https://www.greenpeace.ch/de/medienmitteilung/58223/verbotene-pestizide-eu-exportiert-ueber-80000-tonnen-ein-drittel-davon-stammt-von-syngenta/

https://www.tagesschau.de/investigativ/monitor/eu-pestizide-101.html