Bereits Mitte Oktober hatte der agrarpolitische Sprecher der hessischen GRÜNEN, Hans-Jürgen Müller, auf Kritik des Hessischen Bauernverbands zum Thema Nitratbelastung (pauschale Schuldzuweisungen seien „schlicht falsch“) reagiert. Wie Müller in seiner Pressemitteilung betonte, zählt die Landwirtschaft nach wie vor zu den Hauptverursachern der Belastung des Grundwassers.
Grundlage dieser Einschätzung ist die vom Hessischen Umweltministerium beauftragte Studie der Justus-Liebig-Universität Gießen (2021). Sie zeigt, dass rund 89 Prozent der Nitrateinträge in Hessen aus landwirtschaftlicher Nutzung stammen, während Wald- und naturnahe Flächen etwa acht Prozent und urbane Quellen rund drei Prozent beitragen. Die wissenschaftliche Lage ist damit eindeutig – und das Problem weiterhin aktuell.
Müller weist darauf hin, dass der Verweis auf „vielfältige Ursachen“ an dieser Faktenlage vorbeigeht. Ohne wirksame Maßnahmen in der Landwirtschaft werde es keine nachhaltige Entlastung des Grundwassers geben. Die Folgen spüren am Ende auch die Verbraucher:innen: Das Umweltbundesamt schätzt die zusätzlichen Kosten für Trinkwasseraufbereitung in belasteten Regionen auf 55 bis 76 Cent pro Kubikmeter, was für Haushalte bis zu 130 Euro Mehrkosten pro Jahr bedeuten kann.
Besonders kritisch sieht Müller zudem die Abschaffung der Stoffstrombilanz im Sommer 2025. Mit dem Wegfall dieses zentralen Instruments zur Kontrolle betrieblicher Nährstoffflüsse fehlt nun ein wichtiges Werkzeug, um Überdüngung verursachergerecht zu erkennen und gegenzusteuern.
Effektiver Grundwasserschutz braucht aus seiner Sicht klare Regeln, Transparenz und eine realistische Auseinandersetzung mit den Hauptursachen – nicht das Relativieren wissenschaftlich belegter Zusammenhänge.

