Mit dem neuen Konzernatlas 2026 haben der BUND, der Dachverband Kritische Aktionäre und die Heinrich-Böll-Stiftung eine eindrucksvolle Analyse der Machtstrukturen in unserem Ernährungssystem zusammengestellt. In 12 kompakten Kapiteln zeigt die Publikation, wie wenige globale Konzerne heute bestimmen, was angebaut, verarbeitet, verkauft – und gegessen – wird. Mit zum Teil schwerwiegenden Folgen von Umweltzerstörung über soziale Ungleichheit bis hin zu Gesundheitsrisiken.
Der Atlas beginnt mit einem Blick in die Geschichte der Industrialisierung der Landwirtschaft: Mechanisierung, Pestizide und Kunstdünger haben zwar Erträge gesteigert, gleichzeitig aber eine gefährliche Konzentration von Marktmacht befördert. Kleine Höfe geraten unter Druck, ökologische Vielfalt geht verloren.
Das Kapitel zu Pestiziden bestätigt, worüber wir schon öfter berichtet haben: Deutsche Chemiekonzerne wie Bayer und BASF exportieren Wirkstoffe, die in der EU längst verboten sind, in Länder mit schwachem Umwelt- und Gesundheitsschutz. Für die Unternehmen ein lukratives Geschäft – für die Menschen vor Ort mit schlimmen Folgen.
Auch scheinbar alltägliche Bereiche bei uns sind betroffen. Die Bäckereibranche etwa: Während die deutsche Brotkultur als UNESCO-Kulturerbe gilt, wird die Wertschöpfungskette zunehmend von Industriekonzernen dominiert. Traditionelle Handwerksbäckereien verschwinden.
Viele Konzerne vermarkten ihre hochverarbeiteten Bonbons, Kekse und Schokoladen gezielt an Kinder. Das bringt ihnen schnelles Geld – und den Kindern langfristige Folgen für ihre Gesundheit. In Deutschland bleibt die Politik bislang tatenlos, während viele andere Länder längst strengere Regeln für die Industrie eingeführt haben.
Ein zentrales Thema ist die enorme Lobbymacht der Agrarindustrie. Mit Geld und Personal beeinflussen Konzerne politische Entscheidungen und blockieren wirksame Klimaschutzmaßnahmen. Deutlich wird das auch bei Fleisch- und Molkereikonzernen, die ähnlich agieren wie die fossile Industrie und gegen Klimaschutzpolitik lobbyieren.
Dann geht es um die Privatisierung von Wasser, die Marktmacht großer Supermarktketten, die Konzentration im Saatgutmarkt durch Patente und neue Gentechnik sowie die Rolle globaler Akteure im Futtermittelhandel, insbesondere beim Soja-Anbau auf Kosten von Regenwald und Indigenen.
Klingt ziemlich deprimierend. Ist aber sehr wichtig für alle Menschen, die mitreden, etwas verändern und nicht nur lamentieren wollen. Stichwort Ernährungsdemokratie: Solidarische Landwirtschaft, Preisregulation und politische Eingriffe ins Kartellrecht könnten Macht neu verteilen, bäuerliche Betriebe stärken und eine sozial gerechtere, ökologische Ernährung fördern.
Denn unser Ernährungssystem ist kein Naturgesetz – es ist das Ergebnis politischer Entscheidungen und wirtschaftlicher Machtverhältnisse. Und genau dort setzt der Atlas an: Er informiert, klärt auf und liefert Argumente für eine notwendige Agrar- und Ernährungswende.
Der Konzernatlas ist kostenlos als PDF Download oder gedruckt gegen Portokosten erhältlich..

