Lust- und einfallslos verschleudert die Bundesregierung mit dem sogenannten Tankrabatt mal eben rund 1.6 Milliarden Euro und „hofft“, dass dieses Geld auch beim Verbraucher ankommt. Na ja, also bei finanziell schwach gestellten schon mal sicher nicht, weil die haben ja kein Auto. Und bei den anderen? Mal sehen, was die Mineralölkonzerne wohl so abgeben werden.
Und was hat das mit der Landwirtschaft zu tun? Klar, einer der ersten Lobbyisten, die sich zu Wort meldeten, war natürlich der Präsident des Deutschen Bauernverbandes Joachim Rukwied. Er forderte gleich mal u.a. die CO2-Besteuerung beim Diesel auszusetzen und malte Schreckensszenarien von zu geringen Ernten wegen mangelhafter Düngung an die Wand. Gemeint ist: Stickstoffdünger ist in der Herstellung extrem engergieintensiv und hat sich auf dem Weltmarkt enorm verteuert.

Also subventionieren und weitermachen wie bisher? Auch wir haben kürzlich wieder über Rote und Gelbe Gebiete in Nordhessen berichtet. Rot steht für überhöhte Nitratbelastung, Gelb für Eutrophierung – die Überdüngung von Gewässern durch Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor. Ein Teufelskreis? Weitermachen wie bisher?
Bemerkenswert ist in jedem Fall, wie reflexartig mit (Steuer-)Geld strukturelle Schwierigkeiten übertüncht werden sollen. Landwirtschaft ist energieintensiv und Traktoren fahren mit Diesel. Besonders die industrielle Tierhaltung verbraucht von der Futtermittelproduktion über die Stallhaltung bis zu Transport und Verarbeitung eine Menge Energie. Soweit so klar. Doch viele andere Bereiche lassen sich durch z.B. durch dezentrale Energiegewinnung deutlich abfedern. Gewächshäuser, Kühlung, Wärme etwa.

Und hier kommt eben auch der aktuelle Protest ins Spiel, denn Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche tritt bei der Energiewende deutlich auf die Bremse. Tatsächlich sind ja landwirtschaftliche Betriebe nicht nur Großverbraucher von Strom sondern häufig eben auch Erzeuger (Photovoltaik, Windkraft).

Fridays for Future, campact, Greenpeace, die Deutsche Umwelthilfe, WWF und viele andere – auch Sozialverbände – hatten deshalb am 18. April zu Großdemonstrationen in Berlin, Hamburg, Köln und München und Köln aufgerufen. Das Motto war „Erneuerbare Energien verteidigen“. Über 80.000 Menschen folgten dem Aufruf. Luisa Neubauer kritisierte in Berlin „fossile Gestrigkeiten“ der Regierenden.
Eigentlich ist die Erkenntnis ja auch in der Wirtschaft längst angekommen. Doch Frau Reiche, die schon als Staatssekretärin vor über zehn Jahren gemeinsam mit dem damaligen Wirtschaftsminister Peter Altmeyer die Solarbranche böse ausbremste und dafür sorgte, dass Deutschland seine technische Vorreiterschaft verlor sowie die früher bekanntermaßen Lobbyistin des Netzbetreibers E.on war, beharrt auf Gaskraftwerke. Ihr bereits im September 2025 vorgestellter 10-Punkte-Plan weist in wichtigen Punkten inhaltliche Überschneidungen auf mit Papieren von RWE und E.on. Klimaschützer und die Branche der Erneuerbaren Energien protestierten entschieden.
Im April diesen Jahres wurde zusätzlich bekannt, dass Reiches Ministerium laut Informationen des Spiegels Argumentationshilfen bzw. „Vorschläge“ beim EnBW-Konzern bestellt hat, wie Gaskraftwerke zu bevorzugen und Batteriespeicher zu benachteiligen seien. Lobbycontrol bezeichnete sie daraufhin als „Sprachrohr der Gas-Lobby“. Erinnert sich noch jemand an den Aufschrei, als es um die Nähe von Habeck und der „Agora Energiewende“ ging? Nur ist Agora keine Firma sondern eine Denkfabrik, die sich für den Klimaschutz engagiert.

Was die Wirtschaft jetzt braucht ist das, was so häufig von den Lobbyisten der Agrarindustrie beschworen wird: Planungssicherheit! Und zwar für eine wirklich zukunftsfähige Energieversorgung. Klar sind Hausbesitzer auf dem Land verunsichert, wenn es darum geht, ob sie eine fünfstellinge Summe in Wärmepumpe oder Photovoltaik investieren sollen. Doch Technik, Know-How und der Wille sind vorhanden. Allein die politischen Signale fehlen bzw. weisen auf Rückwärtsgang.
Die Demos in den Metropolen sind also ein wichtiges Signal. Und am kommenden Freitag (24.4.2026) wird in fast 50 weiteren Städten wie auch in Kassel der Protest auf die Straße gebracht.

