Gurken-Verordnung 2.0: Trifft’s den Burger?

Keiner beißt so beherzt (und so öffentlich) zu wie der bayerische Ministerpräsident

Eine Glosse von Andreas Grede

 

Echt jetzt? Veggie-Burger sollen nicht mehr so heißen dürfen? So will es die Europäische Volkspartei EVP, der in der EU auch CDU/CSU angehören. Da atmen aber viele Grillfreunde auf (damit sind natürlich auch die weiblichen gemeint, aber hallo) und auch die Verfechter (dito) der deutschen Leitkultur.

Der Markt für dieses Ersatzzeugs wächst ja ständig. Sind solche NGOs wie die AGA womöglich auch mit Schuld? Immer diese Propaganda mit Tierleid und Klimaschäden und das alles. Das muss die Verbraucher:innen ja verwirren. Mei, wenn die Schweinderl eben Soja zum Wachsen brauchen, dann muss das halt irgendwo herkommen. Was soll das Gejaule mit dem Regenwald und so. Und Wetter gabs schließlich schon immer. Mal heiß oder regnerisch. Normal.

Außerdem muss man sich mal vorstellen: Markus Söder würde aus Versehen in ein Gemüsepflanzerl beißen! Nachher schmeckt ihm das noch … Was würde das mit ihm machen? Gut, er trinkt Cola Light lieber als Bier. Aber trotzdem ist er nicht verweichlicht wie so ein grüner Veganer. Er marschiert wie ein General der Gebirgsjäger oder ein schmunzelnder Möbelpacker (Bild), da braucht so einer doch klare Informationen auch beim Einkauf.

„Ein Steak ist aus Fleisch gemacht – Punkt“, das weiß Céline Imart, französische EU-Abgeordnete der EVP Fraktion (zu der auch CDU/CSU gehören). Nur, wie sollten dann die ganzen Produkte heißen, die im Supermarkt immer mehr Kund:innen finden? Gesobra (Gemüse-Soja-Bratling) vielleicht? Oder Vepagri (Veganes paniertes Grillstück)? Oder diese Nuggets, bei vielen jungen Menschen sehr beliebt? Also bei Edeka heißen die im Moment „MY VEGGIE VEGANE NUGGETS“, und Veggie ist auch noch besonders groß geschrieben. Wer das falsch versteht, ist morgens beim Einkaufen schon blau oder hat zumindest entsprechend gewählt. Oder beides.

Söder ist natürlich selbst schuld, wenn viele bei dem Thema an ihn denken. Seine täglichen Posts sind bei Fans und Spötter:innen gleichermaßen bekannt und – auch in gewisser Weise – beliebt. Die konservativen Fans oder auch die eingefleischten Neoliberalen wollen sich nun mal nicht vorschreiben lassen, was auf den Teller kommt. Das ganze grüne Gedöns will doch niemand hören. Und die links-grün versifften Weltverbesserer? Die kennen Söders tägliche Wurschtmampferei zumindest aus der heute-Show. Vorteil für deren Redaktion: das kann man einfach so senden ohne allzu viel Schneidearbeiten – das Original ist auch satirisch nicht zu toppen.

Es wird wirklich Zeit, mit dem ganzen neumodischen Kram aufzuräumen. Doch erste Schritte sind gemacht. Auch in Hessen ist ja das Gendern (endlich) in der Verwaltung verboten. Klare Ansagen und sicher ein öffentlichkeitswirksamer Schritt bei dem Versuch, sich bei den Rechten ­– wenn auch sinnlos – anzubiedern. Schon diese Sprachpolizei – mensch denke nur an den öffentlich rechtlichen Rundfunk. Unsere Steuergelder. Oder Gebühren? Egal. Alles muss weg. War doch früher nicht alles schlecht.

Fünf Jahre ist es her, dass die Debatte in der EU mit scharfen Waffen geführt wurde. Bernhard Krüsken, seit 2013 Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), nannte die Bezeichnungen der sogenannten Ersatzprodukte eine „merkwürdige Form von Trittbrettfahrerei“. Martin Häusling äußerte damals dagegen eher die Befürchtung, dass es zu einer „zweiten Gurken-Verordnung“ kommen könne. Wohl wahr, möchte man sagen.

Nun ja, Hafermilch und Sojamilch sind seither verboten. Obwohl der EU Abgeordnete der FDP Christoph Oetjen noch betonte, der Verbraucher sei nicht doof und wisse schließlich auch, dass man Scheuermilch nicht trinken könne. Sicher? Der DBV machte sich jedenfalls seinerzeit sehr stark für „ehrliche“ Produktnamen. Merke: Tradition ist Tradition, Fleisch muss sein, und notfalls werden die Unmengen von Gülle GPS-gesteuert auf den Acker gebracht, man ist ja nicht gegen Modernisierung.

Aber das ist schließlich was ganz anderes. Erstmal muss diese ganze grüne Bürokratie weg. Aber das ist ebenfalls was anderes. Alles kompliziert. Kaum zu verstehen. Egal. Ein Prosit der Gemütlichkeit und passt auf, dass das Grillfleisch nicht anbrennt.