Billiges Fleisch aus der Massentierhaltung ist eine Illusion, die wir mit der Gesundheit, Umweltzerstörung und den Folgen der Klimakrise teuer bezahlen. Diese Erkenntnis ist bestens belegt und gehört längst zum Allgemeinwissen. Auch einem Bundeslandwirtschaftsminister sollte das bekannt sein.
Dem ARD – Politikmagazin “Panorama“ sagte Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU), dass Klimaschutz der Bundesregierung ein wichtiges Ziel sei. Seines Erachtens habe das aber mit dem Fleischkonsum nichts zu tun.
Mit dieser Äußerung ignoriert Rainer wissenschaftliche Fakten und stellt den Zusammenhang zwischen hohem Fleischkonsum und Klimawandel in Frage, während in Deutschland pro Kopf durchschnittlich mehr als ein Kilogramm Fleisch und Wurst pro Woche verzehrt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt mit 300 Gramm deutlich weniger, zum Schutze der Umwelt und unserer Gesundheit.
Das Umweltbundesamt (UBA) beschreibt die Nutztierhaltung als eine entscheidende Quelle für klimaschädliche Treibhausgase. Vor allem Methan-Emissionen etwa aus der Rinderhaltung und Lachgasemissionen aus Wirtschaftsdünger wie Gülle und Mist trügen dazu bei. Auch die Nutzung trockengelegter Moore für die Rinderhaltung oder die Abholzung von Wäldern für den Anbau von Futtermitteln seien verantwortlich für das Entstehen klimaschädlicher Gase. Das Pariser Klimaabkommen sei ohne eine Ernährung mit deutlich reduziertem Konsum von tierischen Produkten nicht zu erreichen, erklärte Agrarökonom Hermann Lotze-Campen vom Potsdam-Institut für Klimaforschung (PIK). Um das Ziel von Netto-Null-Emissionen zu erreichen müsste der Fleischkonsum in Deutschland um 70% sinken. Allerdings hätten viele Menschen die Auffassung, dass ihnen dabei niemand reinreden sollte.
Über wissenschaftliche Fakten zum Fleischkonsum spricht man lieber nicht
Aus den Ministerien gibt es zum Thema Fleischkonsum keine eindeutigen Worte. Die Frage, ob Herr Rainer der Überzeugung sei, dass Fleischkonsum Treibhausgasemissionen verursache, blieb unbeantwortet. Der Ministeriumssprecher schrieb ausweichend, es sei wissenschaftlich belegt, dass sich Konsumverhalten auf das Klima auswirke. Man mache den Menschen keine Vorgaben beim Konsum, wer Fleisch essen möchte, solle das auch tun dürfen. Auch Klimaschutzminister Carsten Schneider will sich nicht eindeutig zu einem geringeren Fleischkonsum positionieren. „Klimaschutz steht wie viele andere Punkte im Grundgesetz und hat natürlich eine hohe Priorität, aber dieses Gegeneinander ist nichts, was ich teile“, äußerte er sich.
Fleischkonsum als politische Verteidigungslinie
In der Union ist man anscheinend überzeugt, mit Schnitzel und Bratwurst könne man an Zustimmung gewinnen. Die Forderung nach einem geringeren Fleischkonsum wird als Angriff auf die Freiheit stilisiert. Gleichzeitig werden Partikularinteressen der Agrarindustrie bedient. Obwohl der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) erneut empfohlen hat, den Steuersatz für Fleisch von 7 Prozent auf 19 Prozent anzuheben, spricht sich Landwirtschaftsminister Alois Rainer vehement gegen eine Erhöhung der Mehrwertsteuer für tierische Produkten aus.
Thomas Schröder, der Präsident des Deutschen Tierschutzbunds, erinnerte daran, dass die Zukunftskommission Landwirtschaft, der sowohl der Bauernverband als auch Umweltschützer angehörten, einstimmig beschlossen habe, dass der Konsum und die Produktion tierischer Lebensmittel sinken müssen. Das sollte Rainer anerkennen.
Für Lotze-Campen ist die Reduktion des Fleischkonsums auf jeden Fall zentral. Es gehe dabei nicht darum, die Gesellschaft zu quälen, sondern darum, zukünftige Klimaschäden zu vermeiden. Der Klimaforscher betont: „Das ist ein Vorsorgeprinzip.“
Wer das Offensichtliche ignoriert, stellt sich nicht an die Seite der Menschen, die es zu schützen gilt, sondern auf die Seite der Industrie, die längst als Treiber globaler Krisen ausgemacht wird. (mk)
Mehr zu den Fakten rund um den Fleischkonsum: https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/klimapolitik-fleischverzehr-fleischkonsum-100.html

