Dauergrünland – Bundesregierung bremst sinnvolle Förderungen

Und wieder trickst er. Unter dem ewigen Pseudoargument des Bürokratieabbaus verhindert Bundeslandwirtschaftminister Alois Rainer (CSU), dass geplante Förderungen für Weidehaltung und Biotopverbünde endlich kommen werden. Ein Zickzackkurs, der die Landwirtschaft wieder einmal dort ausbremst, wo es um Verbesserungen für Tiere und die Natur geht.

Es ist ein sperriger Name, der aber trotzdem genannt werden muss: Der Wissenschaftliche Beirat für Natürlichen Klimaschutz (WBNK) ist ein interdisziplinäres Gremium von 16 Wissenschaftler:innen und berät das Bundesumweltministerium „zum Erhalt, der Stärkung und Wiederherstellung natürlicher und naturnaher Ökosysteme, um die Klimaschutzziele des Bundes zu erreichen und zum Biodiversitätserhalt beizutragen“. (https://www.wissenschaftlicher-beirat-fuer-natuerlichen-klimaschutz.de/

Und hier kommt nun auch unsere heimische Landwirtschaft ins Spiel. Dauergrünland, das sind Flächen, die als Weide dienen und mindestens fünf Jahre nicht umgebrochen wurden, sollten durch eine Direktzahlung der EU gefördert werden. Rainer möchte diese nun streichen.

Das ist absurd auch vor dem Hintergrund, welche ökologischen Schäden industrielle Tierhaltung verursacht. Die Weide bietet dagegen eine artgerechte Ernährung von Rindern und Schafen und ist gerade auch in Mittelgebirgslagen machbar. Zugespitzt könnte man sagen: Statt Energiemais auf dem Acker, der die unumgängliche Energiewende künstlich verzögert, sorgt Dauergrünland für energie- und eiweißreiches Futter und schützt gleichzeitig unser Klima.

Warum Weideland sinnvoll ist

  • speichert mehr Kohlenstoff als Ackerland
  • schützt den Boden durch dichte Durchwurzelung, auch gegen Wind- und Wassererosion
  • bietet Lebensraum für viele Pflanzen, Insekten und Vögel inklusive Nahrungsquellen

Prof. Friedhelm Taube hat im Auftrag des WBNK eine Studie durchgeführt, die zu klaren Aussagen führt: Dauergrünland erbringt wichtige Ökosystemleistungen. Es speichert auf mineralischen Böden deutlich mehr Kohlenstoff als Ackerland und trägt damit zum Klimaschutz bei. Der größte Kohlenstoffaufbau erfolgt in den ersten Jahrzehnten nach der Grünlandanlage. Künftig wird die Funktion des Grünlands jedoch vor allem im Erhalt bestehender Kohlenstoffvorräte liegen, da der Klimawandel die Speicherleistung begrenzt. Neben dem Klimaschutz fördert Dauergrünland die Biodiversität, schützt Gewässer vor Nährstoffeinträgen und liefert Futter sowie Biomasse ohne zusätzliche Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion auf Ackerflächen.

Trotz dieser Leistungen stehe das Grünland unter erheblichem Druck. In der Milchwirtschaft führten steigende Milchleistungen, ein wachsender Einsatz von Ackerfuttermitteln und sinkende Grünlandanteile in den Futterrationen zu höheren Nährstoffüberschüssen, geringerer Biodiversität und einer stärkeren Konkurrenz um Ackerflächen.

Zur Sicherung der Biodiversität empfiehlt das Gutachten größere zusammenhängende Weidelandschaften sowie neue Konzepte für Flächen, deren Nutzung mangels Weidetieren gefährdet sei. Dabei könnten naturschutzfachliche Aufwertungen mit einer gezielten Umwidmung einzelner Flächen kombiniert werden. Insgesamt plädiert das Gutachten für eine multifunktionale Grünlandbewirtschaftung, die Klimaschutz, Naturschutz und Lebensmittelproduktion stärker miteinander verbindet.

Doch wie ist das nun mit dem verkündeten „Bürokratieabbau“? Auf der Webseite der AbL sind dazu klare Stellungnahmen. „Bei den zusätzlichen Öko-Regelungen handelt es sich um freiwillige Förderangebote, die auf keinem einzigen Betrieb, der diese nicht beantragt, einen Mehraufwand bedeuten“, erklärt eine Weidehalterin in der AbL Fachgruppe GAP mit Milchkühen.

Auch Agrarexperte Martin Häusling (MdEU, Grüne) wird deutlich: „Statt einem Zickzack-Kurs aus Abschaffung und Untätigkeit braucht es eine klare Linie in der Förderpolitik: hin zu Anreizen für umweltgerechtes Wirtschaften. Hierfür müsste sich Rainer in den laufenden Verhandlungen zur GAP in Europa einsetzen, nicht den Betrieben bereits versprochene EU-Gelder nachträglich kürzen.“ (PM vom 09.06.2026)

Das vom Bundeslandwirtschaftsministerium vorgeschlagene „Gesetz für den Bürokratieabbau“ ist noch ein Referentenentwurf. Es zeigt gleichwohl, wie wenig ernsthaft ökologische Maßstäbe angesetzt werden von dieser Regierung.

Nach oben scrollen