Ackerland wird zum Anlageobjekt

Wenn finanzstarke Unternehmen einsteigen, können Landwirt:innen nicht mehr mithalten beim Kauf von Ackerland. 

Ackerflächen werden zunehmend wie Wertpapiere gehandelt – als sichere Geldanlage in unsicheren Zeiten. Nachzulesen in der neuen Studie von Finanzwende Recherche mit dem unmissverständlichen Titel „Bodenloser Profit – Wenn Agrarland zur Finanzanlage wird“. Sie zeigt das Bild eines Marktes, der sich immer weiter von den Bedürfnissen der landwirtschaftlichen Betriebe entfernt – und in dem Kapitalstärke offenbar wichtiger ist als landwirtschaftliche Erfahrung. Schutzmechanismen werden regelmäßig umgangen. So geraten bäuerliche Betriebe und besonders auch Existenzgründungen ins Hintertreffen.

Die Zahlen sind drastisch. Zwischen 2007 und 2020 haben sich die Kaufpreise für Agrarflächen in Deutschland im Durchschnitt fast verdreifacht. In manchen ostdeutschen Regionen ging es sogar noch schneller nach oben. Parallel stiegen die Pachtpreise – also genau die Kosten, die Betriebe Jahr für Jahr zahlen müssen, um überhaupt wirtschaften zu können.

Für viele Höfe heißt das: Flächen dazupachten? Kaum noch bezahlbar. Land kaufen, um den Betrieb zukunftsfähig aufzustellen oder den Hof an die nächste Generation zu übergeben? Für viele schlicht unrealistisch. Die Studie widerspricht dabei der einfachen Erklärung, das liege nur an knapper werdendem Boden oder guten Erträgen. Ein wichtiger Preistreiber ist zusätzliche Nachfrage von außen – von Investoren, die mit Landwirtschaft wenig zu tun haben, aber viel Kapital mitbringen.

Versicherungen, Beteiligungsgesellschaften, große Unternehmensgruppen, vermögensverwaltende Stiftungen: Sie alle haben Ackerland längst als langfristig stabile Anlage entdeckt. Mit reichlich Kapital im Rücken können sie bei Kaufverhandlungen ganz anders auftreten – und Preise bieten, bei denen die Familienbetriebe kaum mitgehen können.

Eigentlich gibt es Regeln, die Agrarflächen vor Spekulation schützen sollen: Genehmigungen für Verkäufe, Vorkaufsrechte für Landwirte, Eingriffe bei extremen Preisen.

Doch die Studie zeigt, wie diese Instrumente immer wieder ausgehebelt werden – vor allem über sogenannte Share Deals. Dabei wechseln nicht die Flächen selbst den Besitzer, sondern Anteile an Firmen, denen das Land gehört. Für solche Konstruktionen greifen viele Kontrollen nicht, und oft fällt auch weniger Grunderwerbsteuer an.

Kurz gesagt: Wer genug juristische Beratung bezahlen kann, kommt leichter am Regelsystem vorbei. Für bäuerliche Betriebe gilt das nicht.

Die Folgen für ländliche Regionen

Wenn Kapitalgesellschaften immer mehr Flächen bündeln, wächst die Konzentration von Bodenbesitz. Die Studie warnt vor Folgen für ganze Regionen: weniger eigenständige Betriebe, mehr Pachtabhängigkeit, weniger Entscheidungsspielräume vor Ort. Besonders stark ist diese Entwicklung laut Studie dort, wo ohnehin große Betriebseinheiten existieren – etwa in Teilen Ostdeutschlands. Aber Bodenspekulation  macht nicht an Landesgrenzen halt.

Auch in Hessen ist das ein Thema. Im Januar 2026 brachten die Grünen im Hessischen Landtag eine Initiative gegen Bodenspekulation und für besseren Zugang zu Flächen für landwirtschaftliche Betriebe ein. Sie warnten davor, dass steigende Bodenpreise Hofnachfolgen und Existenzgründungen immer schwieriger machen – und forderten strengere Regeln für außerlandwirtschaftliche Käufer sowie mehr Eingriffsmöglichkeiten des Landes.

Das ist ein wichtiges Signal: Der Bodenmarkt wird nicht mehr nur als Randproblem gesehen, sondern als Strukturfrage für die Zukunft der Landwirtschaft.

Auch in Nord- und Mittelhessen, wo viele Familienbetriebe wirtschaften und Flächen knapp sind, treffen steigende Preise junge Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter besonders hart. Wer den Hof übernehmen will, braucht Planungssicherheit – nicht einen Bodenmarkt, der von Finanzlogiken dominiert wird.

Einen besonderen Aspekt greift agrarheute in einem Bericht über Landbesitz kirchlicher Einrichtungen auf. In Sachsen-Anhalt etwa haben kirchliche Fonds größere Flächen erworben – sehr zum Ärger betroffener Betriebe, die sich überboten fühlten. Für den Markt macht das am Ende wenig Unterschied: Mehr finanzstarke Nachfrager bedeuten meist höhere Preise – und mehr Druck auf diejenigen, die den Acker bestellen.

Die Autor:innen der Studie „Bodenloser Profit“ fordern u.a.

  • Share Deals deutlich strenger zu regulieren,
  • Vorkaufsrechte für Landwirte zu stärken,
  • bei extremen Preissteigerungen eingreifen zu können,
  • Flächenkonzentrationen zu begrenzen
  • und die EU-Agrarförderung zu reformieren, die heute stark an Fläche gekoppelt ist und hohe Bodenpreise indirekt mit antreibt.

Es geht dabei nicht um ein Investitionsverbot – sondern um faire Wettbewerbsbedingungen, um regionale Wertschöpfung und die Frage, wie vielfältig unsere Landwirtschaft in Zukunft noch sein wird.

Es geht um Eigentum, regionale Wertschöpfung  und um die Frage, wie vielfältig unsere Landwirtschaft in Zukunft noch sein wird.

Download der Studie Bodenloser Profit – Wenn-Agrarland-zur-Finanzanlage-wird